Warum eine Smartphone-Kamera für industrielle Bildverarbeitung nicht ausreicht
Schöne Bilder sind keine präzisen Messergebnisse. Für industrielle Bildverarbeitungsanwendungen benötigt man kontrollierte Beleuchtung, Wiederholgenauigkeit, Stabilität und Langzeitverfügbarkeit. Weit mehr als was ein Smartphone leisten kann.
Wir hören oft: „Die Kamera meines Smartphones macht fantastische Fotos, warum muss ich für ein Bildverarbeitungssystem teure Industriekameras einsetzen?“
Die Antwort ist einfach:
Weil schöne Bilder nicht dasselbe sind, wie technisch präzise und wiederholbare Messergebnisse.
Aber was macht Industriekameras so viel leistungsfähiger?
Für zuverlässige Bildauswertung braucht es definierte, gleichmäßige und leistungsfähige Beleuchtung. Smartphones kaschieren Schwankungen mittels Software, was optisch gut aussieht, aber technisch zu inkonsistenten Ergebnissen führt.
Präzision statt Filtereffekte
Industriekameras nutzen Global-Shutter-Sensoren, ideal für bewegte Prozesse und Messaufgaben. Smartphones dagegen, setzen fast immer Rolling Shutter ein, gut für Urlaubsfotos, aber ungeeignet für genaue Messungen.
Industriekameras sind für den 24/7-Betrieb in rauen Umgebungen entwickelt, vibrations-, staub- und temperaturresistent. Ein Smartphone ist ein Consumer-Produkt weder für Dauerbetrieb noch für prozesssichere Montage gebaut.
In industriellen Anwendungen müssen Optik und Brennweite exakt an Objektgröße, Distanz und Auflösung angepasst werden. Handykameras bieten meist nur fixe, häufig weitwinklige Brennweiten mit variablem Focus, der zum Beispiel nicht kalibriert werden kann.
Industrieanlagen laufen über viele Jahre, Setups müssen reproduzierbar sein, Komponenten müssen austauschbar, wartbar und verfügbar bleiben. Smartphones sind extrem kurzlebig und ohne Reproduzierbarkeit kann kein Prozess validiert werden.
Unabhängig vom Bild gibt es beim “System” Handy zahlreiche Aspekte, die man nicht unterschätzen darf. Es beginnt bereits mit der Frage, wo man beim Handy überhaupt die Ampel für das OK-Signal zuverlässig anschließen kann. Auch der Datenaustausch mit der Peripherie ist ohne definierte, industrielle Schnittstellen alles andere als trivial.
Noch kritischer wird es eine Ebene darunter: Auf einem Smartphone laufen im Hintergrund beliebig viele Apps und Prozesse, auf die man keinen Einfluss hat, weder in Bezug auf Stabilität noch auf Sicherheit. Wie ein solches System mit aktuellen Regularien wie DSGVO, aber vor allem dem Cyber Resilience Act oder der kommenden EU-Maschinenbaurichtline ab 2027 in Einklang bringen soll, ist aus unserer Sicht zumindest fraglich.
Fazit
Smartphone-Kameras liefern beeindruckende Bilder, doch sie messen nicht, sie garantieren keine Prozesssicherheit und sie sind morgen womöglich schon nicht mehr verfügbar.
Wer industrielle Qualität erreichen will, muss über den Gerätepreis hinausdenken:
Industriekameras stehen für Zuverlässigkeit, Reproduzierbarkeit, Genauigkeit und langfristige Verfügbarkeit.
Unser Praxistipp
Bevor Sie die Kamera wählen, klären Sie diese 3 Fragen:
- Soll die Kamera auch messen oder prüfen, nicht nur anzeigen?
- Ändern sich Hintergrund, Beleuchtung oder Bewegung im Prozess?
- Muss das System langfristig verfügbar und wartbar sein?
Wenn Sie mindestens zweimal mit „ja“ antworten: ➜ Industriekamera.
Wie handhaben Sie Bildverarbeitung in Ihrem Unternehmen? Haben Sie bereits Erfahrungen mir Smartphone-basierten Lösungen gemacht?
Deutsch (DE)
English (EN)