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KI in der Bildverarbeitung.  Warum Bildqualität entscheidend ist.

KI in der Bildverarbeitung ist kein neues Thema. Wer so wie wir seit vielen Jahren Machine-Vision-Lösungen entwickelt, kennt die typischen Situationen bei der Inbetriebnahme einer Anlage nur zu gut.

Man stand an der Linie, hatte ein Dutzend Parameter vor sich und drehte bis weit nach Mitternacht an zwei Werten in der dritten Nachkommastelle, immer in der Hoffnung, dass es „jetzt endlich stabil läuft“.

the founders of phil-vision, Gregor Philipiak, Patrick Gailer

Diese Zeiten scheinen heute zumindest weitgehend vorbei zu sein.

Ist das gut? Wir würden sagen: JA!

Auch wenn wir heute oft nicht mehr transparent nachvollziehen können,
welche Bildmerkmale ein Modell im Einzelfall wie stark gewichtet.

KI kann viel. Aber sie kann nicht zaubern.

Warum die Qualität der Bilddaten die KI-Leistung bestimmt

Trotz aller Fortschritte gilt weiterhin ein alter Grundsatz: Garbage in, Garbage out. Ein KI-Modell kann nur so gut sein wie die Bilddaten, die es erhält.

Damit stellt sich zwangsläufig die Frage:

Wie optimiere ich meine Bildaufnahme, um überhaupt die Basis für stabile und zuverlässige Ergebnisse zu schaffen?

Die Grundlage: Beleuchtung, Optik und Kamera als Gesamtsystem

Entscheidend ist immer die Auswahl und das Zusammenspiel der Komponenten. Beleuchtung, Optik und Kamera lassen sich nicht unabhängig voneinander betrachten.

Zu Beginn stellen wir deshalb einige grundlegende Fragen:

  • Wie äußern sich die für die Inspektion relevanten Merkmale und wie groß sind sie?
  • Wie sind diese Merkmale räumlich verteilt?
  • Welche optischen Eigenschaften haben Merkmale und Trägermaterial, zum Beispiel glänzend, matt, transparent oder diffus reflektierend?
  • Gibt es nur eine Merkmalsart oder mehrere?
  • Ist das Trägermaterial homogen oder variiert es stark, eventuell sogar von Aufnahme zu Aufnahme?

Die Antworten auf diese Fragen definieren den Rahmen für jede weitere technische Entscheidung.

Fokus dieses Artikels: Featuregröße und lokale Auflösung

In diesem ersten Beitrag der Serie konzentrieren wir uns bewusst auf einen Aspekt:

Die Größe der relevanten Merkmale und ihre Bedeutung für Auflösung, Optik und Kamerawahl.

Die Merkmalsgröße bestimmt die notwendige lokale Auflösung. Und damit unmittelbar das Setup aus Kamera und Objektiv.

Brennweite, Abbildungsmaßstab und Arbeitsabstand sind keine nachgelagerten Entscheidungen, sondern zentrale Stellhebel im Systemdesign.

Warum Auflösung keine Kameraspezifikation ist

Praxisbeispiel: Detektion kleiner Kratzer

Sollen auf dem Frontscheinwerfer eines Autos kleine Kratzer erkannt werden, die eine minimale Breite von etwa 10 µm haben, wird man den gesamten Scheinwerfer nicht mit einer einzelnen 5-Megapixel-Aufnahme prozesssicher inspizieren können.

Für robuste Lösungen gilt eine einfache Faustregel:

Je nach Merkmalsausprägung sollten mindestens zwei bis drei Pixel über der kleinsten relevanten Struktur liegen.

Im genannten Beispiel entspricht das einer Objektauflösung von ungefähr 3,3 µm pro Pixel.

Abhängig von Bauteilgröße und Taktzeit legt das eher ein zeilenbasiertes Setup oder einer Kachel- bzw. Mehrbildstrategie nahe, als eine klassische Einzelaufnahme.

Ausblick: Weitere Parameter für robuste KI-Bildverarbeitung

Damit bleiben für die nächsten Beiträge dieser Serie noch einige spannende Stellhebel offen:

  • Verteilung und Kontrast der Merkmale
  • Optische Eigenschaften von Merkmal und Trägermaterial
  • Umgang mit inhomogenen oder wechselnden Oberflächen

Genau an diesen Punkten entscheidet sich in der Praxis häufig, ob ein KI-Modell „irgendwie“ funktioniert oder ob es langfristig stabil und prozesssicher läuft.

Stabile KI-Ergebnisse beginnen nicht beim Training, sondern bei der Bilderfassung.

Wenn Sie Ihre Bildaufnahme systematisch hinterfragen oder optimieren möchten,
begleiten wir Sie gerne von der physikalischen Auslegung bis zur robusten Lösung.